Gelungene Eingliederung nach Unfall: Vom Schreiner zum Umweltingenieur

Clau Caviezel und Roland Jäggi.

James Niederberger hat seinen erlernten Beruf als Schreiner zwölf Jahre mit Leidenschaft ausgeübt. Die Folgen eines Handgelenkbruchs mit chronischen Schmerzen zwangen ihn, einen neuen Beruf zu finden. Dank der Unterstützung der IV ist ihm die Umschulung zum Umweltingenieur gelungen.

sg. Als Schreiner und Zimmermann war James Niederberger in der Region Flims/Laax tätig. Dass er seinen erlernten Beruf eines Tages nicht mehr ausüben kann, hätte er niemals für möglich gehalten. Er liebte seinen vielseitigen Beruf rund um das Holz – ob feine oder grobe Arbeiten, Häuser bauen, Möbel erstellen oder restaurieren. In Winter war er oft mit dem Snowboard unterwegs, im Sommer gab er auf den Baustellen Vollgas, wie er im Gespräch berichtet. Mit 20 Jahren stolperte er beim Skateboarden auf einer Rampe wegen einem Kieselstein, brach das Handgelenk und konnte einige Monate nicht mehr arbeiten. Er nahm seine Arbeit als Zimmermann und Schreiner danach trotz Schmerzen wieder auf. Nach zehn Jahren wurden diese Schmerzen chronisch. Der Arzt diagnostizierte Artrose im Handgelenk und empfahl eine Umschulung. Dafür brauchte er die Berufsmatura (BMS). «Mein damaliger Arbeitgeber hat geahnt, dass etwas nicht stimmt, als ich den Vorkurs für die BMS machen wollte und nur 80 Prozent arbeiten wollte. Teilzeit in der Baubranche zur damaligen Zeit war nicht gern gesehen.» Sein Arbeitgeber ermöglichte ihm aber die Weiterbildung, erzählt James Niederberger.

Überwindung, zur IV zu gehen
Vor der BMS hat er sich bei der IV betreffend der Finanzierung seiner Umschulung erkundigt und sich angemeldet. Sein IV-Berater hat ihn im ganzen Prozess sehr gut unterstützt. Er musste Abklärungen bei drei verschiedenen Spezialisten machen, die ihm bescheinigten, dass es unmöglich war, in Zukunft als Zimmermann oder Schreiner zu arbeiten. Grundsätzlich unterstützt die IV «nur» eine gleichwertige Ausbildung – in seinem Fall wäre dies eine andere berufliche Grundbildung gewesen. Er wollte jedoch Umweltingenieur werden. Das Studium dauerte gleich lange wie eine Lehre und wurde schlussendlich von der IV ermöglicht. Die IV bezahlte die Studiengebühren und das Taggeld während vier Jahren. Trotzdem musste Niederberger den Gürtel viel enger schnallen. Das Studium war sehr streng. Er zog es durch, weil er wusste, dass das seine einzige Chance war, eine neue Arbeit zu finden, an der er Freude hatte und schmerzfrei arbeiten konnte. Der Prozess von der Anmeldung bei der IV bis zur Zusage für die Ausbildung dauerte rund drei Monate. Obwohl sein Arzt die Anmeldung bei der IV schon länger empfohlen hatte, hat es lange gedauert, bis er sich dazu durchgerungen hatte. Da er früher eher ein durchschnittlicher Schüler gewesen sei, seien die Selbstzweifel, ein Studium zu absolvieren, für ihn hoch gewesen. Sich diese Umschulung zuzutrauen, sei seine grösste Hürde gewesen.

Fehlende Fischtreppe motivierte für die Umschulung
Den Ausschlag, Umweltingenieur zu lernen, gab ein Staudamm in Kanada auf einer Reise. Indigene Stämme haben sich gerichtlich dafür eingesetzt, dass eine Fischtreppe gebaut wurde, damit die Lachse zum Laichgebiet schwimmen konnten. «Da habe ich mich entschieden, dass ich etwas mit Fischen und Gewässern machen möchte», erzählt Niederberger. Da er in Graubünden auf seinem Fachgebiet keine Arbeit fand, arbeitet er nun in Bern an Projekten für die Revitalisierung von Flüssen. Dabei arbeitet er auch bei Fischwanderprojekten und Fischaufstiegshilfen mit. In Graubünden ist er heute oft bei seinen Freunden, am Snowboarden, beim Touren oder Fliegenfischen anzutreffen. Den Beruf als Schreiner/Zimmermann vermisst er inzwischen nicht mehr, restauriert in seiner Freizeit ab und zu noch ein Möbelstück. Sein Schicksal hat ihn gelehrt, sich selber etwas Neues zuzutrauen und durchzuziehen. Überall
gebe es Situationen, wo man in den sauren Apfel beissen müsse. Er habe dadurch ein neues Arbeitsumfeld gefunden, das für ihn auch sinnstiftend sei.

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