KMU goes digital: Hostel Bogentrakt Hinter Gefängnismauern mit einem Code übernachten

Marco Leibundgut

Im neuen «Bogentrakt» in Chur läuft alles, was möglich ist, digital und automatisch. Für den Geschäftsführer Marco Leibundgut, welcher das Hostel im ehemaligen Gefängnis Sennhof betreibt, steht die Nachhaltigkeit ebenfalls im Vordergrund.

Willkommen im ehemaligen «härtesten Knast der Schweiz», heisst es auf der Website des Hostel «Bogentrakt». Am 31. März 2023 hat das ehemalige Gefängnis Sennhof in Chur seine Türen als Gasthaus wieder geöffnet. Aus dem Sennhof-Areal ist ein Wohnkomplex mit Gewerbeflächen, Ateliers, Museum, einem Restaurant und einem Hostel geworden, dem «Bogentrakt». Den Betrieb mit 25 Zimmern und 70 Betten hat Marco Leibundgut zusammen mit drei Partnern gepachtet. Aktuell beschäftigt er zwölf Personen mehrheitlich in Teilpensen.

Automatisierungen wo immer möglich
Im «Bogentrakt» wird in Zweier- und Mehrbettzimmern inklusive Etagenduschen übernachtet. Die renovierten Gefängniszellen sind klein und spartanisch eingerichtet. Im Gegensatz dazu spielt das Hostel punkto digitaler und automatisierter Abläufe in der Luxusklasse. Damit können auch die individuellen Wünsche der Gäste einfach abgewickelt werden. Check-in, Check-out, Reinigungen und weitere Dienstleistungen können digital gebucht werden. Der Gast bekommt vor seiner Anreise per Mail einen Code zugestellt. Damit kann er beispielsweise selbstständig einchecken und Türen öffnen. Er öffnet auch die «Türen» zu wertvollen Tourismus- und Ausgeh-Tipps, sorgt für die Abbuchung der Übernachtungskosten von der Kreditkarte, ermöglicht die Bestellung des Frühstücks und kann für die Reservation eines Tisches in der «Kostbar» genützt werden. Das System baut auf die Branchenlösung Cloudbeds und wurde mit verschiedenen weiteren Systemen per Schnittstelle verbunden. Jeder Arbeitsschritt, jede Fahrt und jeder Aufwand wird analysiert und die Abläufe laufend optimiert. Nur so ist es möglich, Rezeption, Shop und Hotelbar von 9 Uhr bis 21 Uhr mit nur einem Mitarbeitenden pro Schicht besetzen zu können. Möglich ist das, weil sämtliche administrativen Abläufe automatisiert sind.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung
Für Leibundgut gehören Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammen. Beides ist für ihn unerlässlich. Als er sich vor rund fünf Jahren mit seinen Partnern Sara, Franziska und Benjamin Häring dazu entschloss, im ehemaligen Stadtgefängnis ein Hostel zu verwirklichen, «war es uns wichtig soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung zu übernehmen». Weiter ist der regionale Bezug für den Betrieb zentral. Die Gäste sollen sich mit Einheimischen an Veranstaltungen und in entsprechenden Räumen austauschen können, es werden regionale Produkte verkauft und verwendet und «wir engagieren uns in regionalen Tourismus- und Hotelverbänden». Der CO²-Ausstoss, der bei der Übernachtung entsteht, wird über MyClimate mit einem Franken pro Gast und Übernachtung kompensiert. Die Kompensation findet in Graubünden statt. «Wir verdoppeln die Kompensation des Gastes mit demselben Betrag und verpflichten uns, das Geld in ein Bergwaldprojekt in Davos und in Nachhaltigkeitsmassnahmen in unserem Betrieb zu investieren.» Dadurch könne man sich weiterhin als erstes CO²-Neutrales- Hotel in Chur anpreisen.

Die Reise geht weiter
Entdeckt hat Leibundgut das Code-System, welches im Gegensatz zu vergleichbaren Projekten ohne App auskommt, in Schottland. Dort hat er zuvor in einem Hostel gearbeitet, ehe er mit wertvollen Erfahrungen in seine Heimatstadt Chur zurückgekehrt ist. Wenig Hotelbetriebe sind in diesem Bereich so weit fortgeschritten wie der «Bogentrakt». «Für die Planung und Umsetzung eines digitalen Ökosystems in einem Betrieb braucht es eine kompetente Fachperson», so Leibundgut und erzählt weiter, «Benjamin Häring ist Digitalisierungs-Geek, weiss alles über ‹the internet of things› und arbeitet mit dem Hotelfachwissen seiner Ehefrau Franziska daran, unseren Gästen einen modernen Aufenthalt zu ermöglichen. Je mehr digitalisiert und automatisiert ist, desto mehr können sich die Mitarbeitenden persönlich um den Gast kümmern. Wir sind kein typisches Self-Check-in-Hotel, sondern wir möchten die administrativen Arbeiten automatisieren, um so mehr Zeit für den Gast zu haben.» Zufrieden, mit dem, was er aus dem Bogentrakt gemacht hat, ist Leibundgut noch lange nicht. Die Reise soll weitergehen «es ist wichtig, dass wir alle Schnittstellen im Auge behalten und unsere Abläufe stetig kontrollieren und optimieren.»

 

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